Stollen Herrichtung - Homepage des SGV Mudersbach

Sauerländischer Gebirgsverein
Abt. Siegtal-Mudersbach e.V.
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Stollen Herrichtung

Besucherbergwerk
Der nachfolgende Beitrag wurde von unserem am 9. Februar 2020 verstorbenen
 Ehrenvorsitzenden und Verantwortlichen für das Besucherbergwerk Klaus Keil
 am 14. April 2019 fertiggestellt.
 
 
Vom vergessenen Stollen zum Besucherbergwerk
 
Seit 2004 befindet sich der Schieferstollen „Wilhelmslust“ in der Obhut des Sauerländischen Gebirgsverein, Abt. Siegtal-Mudersbach.
 
Der Stollen, 1856 aufgefahren, befindet sich an der linken Siegseite zwischen Mudersbach und Brachbach  und wurde nach dem 2. Weltkrieg nur noch als Sprengstofflager der Firma Gebr. Becher, Mudersbach, benutzt. Für die vorgeschriebenen starken Eisentüren hatte Willi Farnschläder aus Mudersbach, der sich mit dem Thema Bergbau befasste, die Schlüsselhoheit.
 
Der Vater von Willi Farnschläder war Markscheider (Vermessungsingenieur im Bergbau) auf der Grube Storch & Schöneberg in Gosenbach und starb im Alter von 37 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt hat das Thema Bergbau Willi Farnschläder nicht mehr losgelassen. Er trommelte ehemalige Bergleute aus der Region zusammen, die sich an jedem ersten Donnerstag im Monat, in einem hergerichteten Raum bei Willi Farnschläder trafen. Das Einfahren mit den Bergleuten in den Schieferstollen „Wilhelmslust“ war ein besonderes Erlebnis. Bei der ersten Befahrung gab es einen regelrechten Ansturm. Jeder wollte dabei gewesen sein. In der ersten Abbauhalle erschallte das Lied
 
„Glück auf...“ gespielt vom Musikverein Lyra, Brachbach. Die aufgestellte Fahne vom Knappenverein hat Willi Farnschläder restaurieren lassen und hängt heute im  Eingangsbereich des Alten- und Pflegeheim, St. Barbara, in Mudersbach (Knappe war ein Ausbildungsberuf im Bergbau).

                  

Bei der 175. Jubiläumskirmes 2003 in Mudersbach war Willi Farnschläder mit einem großen Themenwagen „Bergbau“ im Festzug vertreten. 2004 hat W. F. den 1. Vors. vom Sauerländischen Gebirgsverein, Abt. Siegtal-Mudersbach Klaus  Keil angesprochen  und ihn gebeten, sich evtl. um den Schieferstollen zu kümmern. Für den SGV kam das gelegen, denn Wandern, Heimat, Kultur und Tradition gehören zusammen.
Klaus Keil plante eine Befahrung um die Gegebenheiten kennen zu lernen. Die Beteiligten an der Befahrung waren der einstimmigen Meinung, dass man aus dem Stollen ein Besucherbergwerk machen könnte.
 
Willi Farnschläder verstarb 2004. Wenige Wochen später hat der SGV dann mit der Arbeit am Stollen begonnen. Eine Gruppe SGVer arbeiteten jede Woche einen Tag am Stollen.
 
Eine Gruppe SGVer arbeitete jede Woche einen Tag am Stollen.
 Befahrung:
- Horst Moritz, Steiger i. R. ,
  Niederdreisbach
- Willi Farnschläder,   
  Mudersbach
- Norbert Büdenhölzer,
  WWV-Herdorf
Klaus Keil und Otto Bätzing aus Brachbach, der sich mit dem Stollen Josefsglück beschäftigte, besuchten das Amt für Geologie und Bergbau, damals noch in Koblenz. Hier wurde erfahren was nötig ist, um eine bergbauliche Genehmigung für ein Besucherbergwerk zu erhalten. Neben allgemeinen Aufräumungsarbeiten war die Beleuchtung vorrangig und ein Aggregat konnte nach wenigen Wochen den Stollen mit 20 Lampen beleuchten.
Bagger- und Abrissarbeiten
    
Nachdem Bäume gefällt waren, wurde das Außengelände mit schwerem Gerät gestaltet und ein Container für Werkzeuge und Geräte aufgestellt. Viel Abraum, der bei der Schiefergewinnung entsteht, wurde nach außen transportiert und Kies für den Besucherweg nach innen gebracht.
Der Eingangsbereich wurde komplett mit Beton neu gegossen und ein Geländer am Weg und ein Eingangstor montiert.
Klaus Keil
 
Bernhard Weber
 
Bürgermeister Maik Köhler
Der Gang bis zur ersten Abbauhalle wurde tiefer gelegt.
 
Reparierte und neugestaltete Trockenmauern begrenzen die Besucherwege und Aufenthaltsflächen.
 
Für die Heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, wurde im Stollen eine Grotte in den Fels gehauen. Die Barbara wurde 2008 vom Stammtisch zur Linde und vom Bürgerverein gespendet und von Pfarrer Ludwig Hoffmann eingeweiht.
 
Eine besondere Herausforderung war, den Stollen mit Energie aus dem Netz zu versorgen. Am letzten Haus in der Straße Grube Ecke konnte ein Anschluss erfolgen. Ein Mast und ein Verteilerkasten mit Zähler wurden aufgestellt. 150 m Erdkabel  mussten in die Erde. Im Container entstand ein Schaltkasten, von dem der Stollen mit Energie versorgt wurde. Im Juli 2009 war es dann so weit: das Licht konnte feierlich eingeschaltet werden.

Es werde Licht:
 
Mit Knopfdruck eingeschaltet.
- In Uniform Bernhard Weber †
- Rechts davon Jürgen Althaus, stellvertretender
  Landrat Siegen-Wittgenstein  und 1. Vorsitzender,
  SGV- Bezirk Siegen.
- Bürgermeister Maik Köhler,
- Klaus Keil (SGV)
Auf dem Außengelände befindet sich ein Grubenwagen, Informationstafel und 2 Ruhebänke, die zum Verweilen einladen.
2013 erfolgte dann die Genehmigung vom Amt für Geologie und Bergbau in Mainz. Ein aus 30 Seiten bestehender Hauptbetriebsplan gibt Informationen, Grundregeln und Vorschriften. Wiederholende Prüfungen wie Sauerstoffmessungen, Prüfung der elektrischen Anlage, Inspektion durch einen Sachverständigen und Feuerwehrübungen sind jährlich durchzuführen. Eine Besucherordnung sowie ein Alarmierungs- und Rettungsplan sind zu beachten.
Die Temperatur im 90 m langen Stollen beträgt angenehme 8° C bei einer Feuchtigkeit von ca. 95 %. Der Luftraum beträgt ca. 1150 m³.
Zu den festen Veranstaltungsterminen zählt die Öffnung am Tag des Denkmals bzw. Tag des Geotops, die Barbara- und Adventsandacht am 4. Dezember und eine Lesestunde mit Bergbau- und Heimatgeschichten und Gedichten. In den 15 Jahren wurden 3750 Besucher gezählt.
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